Ciao Dolomiti

Tag 13: Auf los geht’s los!

Gestern Abend hatte ich noch gleich mit der zweiten Radwerkstatt einen Termin am Morgen ausgemacht. Das Knacksen wurde immer stärker, so wollte ich wirklich keine größere Distanz mehr zurücklegen und hoffe sehr, dass mir heute geholfen werden könnte.

Auch die Leute in dieser Werkstatt taten sich zunächst schwer die Ursache zu finden, ich wartete wieder… Ging etwas spazieren und versuchte mich vor der Werkstatt in der Sonne zu entspannen. Nach drei Stunden kam dann der Mechaniker mit meinem Bike zufrieden auf mich zu und grinste. Ich war so glücklich in diesem Moment! Er ließ mich eine Probefahrt machen, das Knacksen war weg und mein Rad lief um einiges besser als zuvor! Ich hätte die Welt umarmen können.

Er erklärte mir, dass die Ursache für das Knacksen von der kaputten Nabe im Hinterrad kam. Nun hatte ich ein neues hinteres Laufrad und war um 160€ ärmer. Aber das war mir in diesem Moment egal ich war so glücklich! Ich hatte mein Bike zurück und somit meine Freiheit! Ich stieg auf das Rad und sauste mit einem Strahlen im Gesicht los!

Dolomiten ich komme!

Ich wollte unbedingt wieder etwas weiter vorwärts kommen nach den zwei Tagen in denen ich in Meran feststeckte. Es ging zunächst nach Bozen, die Stadt überrumpelte mich nach der Zeit im ländlichen Raum sehr. Schnell kaufte ich mir etwas zum Mittagessen und sauste weiter.

Bozen – Großstadtschock

Immerhin hatte ich in den letzten Tagen Zeit mir Gedanken über die Route zu machen und habe festgestellt, dass ich eher Lust auf hohe Berge und Passstraßen habe als auf ebene, sich am Fluss entlang ziehende Straßen… Niemals hätte ich das zuvor für möglich gehalten!

Auf dem Brennerpass

So entschied ich mich nach Bozen ein kleines Stück den Brennerpass entlang zu fahren und dann über Landstraßen Richtung St. Ulrich zu fahren. Ich war voller Energie und radelte die steilen Landstraßen nur so hoch, nichts konnte mich heute aufhalten… Nun ja fast nichts…

Der Berg ruft!

Da ich erst gegen 11 Uhr von der Werkstatt los kam, fuhr ich den ganzen Tag in der prallen Sonne.

Dolomiten ❤ Endlich!

Gerade auf den steilen Landstraßen gab es kaum Schatten. Ich versuchte viel zu trinken doch nach ein paar Stunden bekam ich schon etwas Kopfschmerzen. Nun zogen auch dunkle Gewitterwolken auf. Es begann in Strömen zu regnen. Zu Beginn genoss ich die willkommene Abkühlung, doch nach einiger Zeit würde es mir immer kälter und hoffte, dass der Regen doch bald nachlässt.

Der Regen hielt an und es war an der Zeit nach einem Schlafplatz Ausschau zu halten. Ich fande eine geschützte Stelle ab von der Straße im Wald und schlug im Regen das Zelt auf. Alles war nass!

Schlafplatz im Wald, nass und kalt…

Ich kochte mir schnell etwas warmes und ging total durchnässt und aufgeweicht ins Zelt. Die Nacht war nicht sehr erholsam. Das Gewitter hielt die Nacht durch an, der Regen prasselte pausenlos auf mein Zelt und der Donner schallte in den nahegelegenen Bergen.

Tag 14: 2 Pässe, 2000 Höhenmeter – ein Tag

Es hatte aufgehört zu regnen und ich hatte über die Nacht Besuch bekommen. Nacktschnecken… War ja ganz nett, dass ich so anziehend wirkte, nun ja hatte ich hatte mir doch ein bisschen anderen Reisepartner gewünscht 🙂 Also sammelte ich sie sorgfältig aus meiner Jacke, den Schuhen und vom Zelt…

Um mich etwas aufzuwärmen kochte ich mir ein warmes Frühstück. Es war fast fertig, die Vorfreude war groß und dann ein unachtsamer Moment und das warme Mal lag auf dem nassen Waldboden! Es war mein letztes Wasser, so aß ich mein warmes Frühstück vom Waldboden und Lachte nur! Ganz ehrlich ernst konnte ich mich in diesem Moment nicht mehr nehmen! Durchnässt, dreckig und voller Nacktschnecken auf dem Waldbodeneuesten sitzend mein Frühstück essend… Nun ja zumindest hatte ich Humor 🙂

Dann packte ich das Zelt und meine nassen Klamotten zusammen und fuhr los. Mir war ziemlich kalt, ich hatte nichts trockenes zum anziehen und hoffte meinen Körper durch das Bewegen aufzuwärmen. So erreichte ich schnell den ersten Pass, ich spürte meine Füße zwar immer noch nicht, doch fühlte wie sich mein Körper langsam erwärmte. Oben auf dem wärmte ich mich mit einer verdienten Tasse Tee.

Die verdiente Tasse Tee -Grödner Joch

Danach gab es die Belohnung! Eine wunderschöne Abfahrt! Die Dolomiten, einfach atemberaubend! Unten angekommen entschloss ich mich relativ zügig einen weiteren Pass hoch zu fahren, ich hatte noch gut Zeit und war hoch motiviert.

Die Motivation nahm mit der Zeit auf dem Pass zunehmend ab und ich fragte mich warum ich mich nur für die Passstraßen entschieden habe… Ich verfluchte alles… Meine Laune war ganz unten. Ich hätte vielleicht doch eine längere Pause nach dem ersten Pass einlegen und mich mit einem guten Essen stärken sollen, doch ich hatte zu sehr Angst wieder von einem Unwetter auf dem Pass überrascht zu werden. Unwetter sind in den Dolomiten Nachmittags nichts ungewöhnliches, ich wollte den Pass schnell und trocken hinter mich bringen.

Ich quälte mich die letzten Kilometer hoch,…. Und da waren sie wieder, die Autofahrer mit ihrem schlechten Ruf unter Radfahrern, sie überholten mich rücksichtsvoll und feuerten mich an und machen mir Mut. Leute, eine Bitte, wenn ihr mit dem Auto auf Passstraßen unterwegs seid und einen vollgepackten Radfahrer seht, dann Hand raus und Daumen hoch.

Es tut so gut in diesem Moment angefeuert zu werden, sie werden euch so unglaublich dankbar sein! Hiermit auch ein ganz großes DANKESCHÖN an alle lieben und rücksichtsvollen Autofahrer die mich angefeuert haben!!!

Daumen hoch für Biker 🙂

Endlich oben angekommen wurde ich von einem Engländer mit ,, Good job” begrüßt, wir unterhielten uns etwas und er schenke mir etwas zu essen.

Passo Valparola

Ich wusste wieder warum ich all das auf mich nahm. All der Schmerz und die Anstrengung waren das unbeschreibliche Gefühl von Stolz und die fantastische Aussicht Wert! Dieses Gefühl oben auf dem Pass mit dem vollgepackten Fahrrad anzukomen und zu wissen, dass man das ganz allein geschafft, seine Ängste und Zweifel besiegt hat. Niemand kann einem so ein Gefühl jemals nehmen.

Abfahrt auf dem Passo Valparola

Ich kann Jedem nur ans Herz legen auch einmal ein paar Passstraßen im Leben zu fahren. Es muss zu Beginn ja nicht die höchste und längste sein und das Rad muss auch nicht zu schwer beladen sein, aber ihr werdet diese unbeschreibliche Gefühl genau so lieben und es nicht bereuen!

Voller Stolz und Glück!

Ich genoss die lange und entspannende Abfahrt nach Cortina d’Ampezzo und gönne mir für diese Nacht den Luxus eines Campingplatzes!

Luxus eines Campingplatzes genießen!

Tag 15: Italien zum genießen!

Gestern Abend fiel ich nur so ins Zelt, meine Muskel Schmerzen beim Aufwachen am Morgen, ich spürte die 2000 Höhenmeter von gestern deutlich in den Knochen und hatte großen Hunger. Nach einem guten Frühstück machte ich etwas Morgensport und Dehnübungen zum Ausgleich für das monotone Radfahren.

Entspanntes Packen auf dem Campingplatz in Cortina d’Ampezzo

Heute ging ich den Tag sehr entspannt an, die Stecke passte sich meinem Erholungstag glücklicherweise gut an. So ging es den ganzen Tag bergab.

Ich fuhr an blauen Seen vorbei, durch kleine italienische Bergdörfer, besuchte einen netten Bauernmarkt und genoss die Aussicht sehr.

Traumhafte Bergdörfer!

Lokaler italienischer Bauernkäse…
…Für ein köstliches Mittagessen!

Ich traf während der Fahrt ein Pärchen aus Hamburg, welche ich bereits von dem Campingplatz in Cortina d’Ampezzo kannte. Sie waren auf dem Weg nach Venedig. Da ich den ganzen Tag über sehr müde und erschöpft war entschloss ich mich heute bereits gegen 14 Uhr einen nahegelegenen Campingplatz, von dem mir das Pärchen aus Hamburg erzählten, aufzusuchen. Hier traff ich wieder auf die Zwei, wir tauschen Erfahrungen und Erlebtes aus und unterhielten uns über nützliche Bikepacking Tools und Tipps.

So jetzt geh ich in meinen verdienten Feierabend und werde mich jetzt noch etwas ausruhen und stärken damit ich morgen früh wieder pünktlich mit den Vögeln aufstehen kann 🙂

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4 Comments Add yours

  1. Papa von Mona says:

    Papa von Mona:
    Daumen hoch!!! Die Kunst ist es zwischen Einsamkeit und Gemeinsamkeit seinen Weg zu finden. Ich wünsche dir dass du fündig wirst.
    Wie viele Kilometer und Höhenmeter hast du hintern dir gelassen?
    Weiter so… (θ‿θ)

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    1. Steffi Storz says:

      🙂 ohhh das ist sehr schön gesagt! Mhhh gute Frage mit den Kilometer, ich wollte das mal nachschauen wenn ich Zeit und die Möglichkeit habe und an einen PC zu komme, wahrscheinlich dann in Kroatien, bin aber sehr gespannt was da rauskomm 🙂
      Viele liebe Grüße auch an Mona!

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  2. Michael Kehr says:

    Hi, du hast so Recht mit den Passstraßen. Wenn man einmal eine gefahren ist und es geschafft hat, dann ist das ein Gefühl, was dir keiner nehmen kann. Mir ging es so bei meiner Transalp und den Etappen auf dem Tour du Mont Blanc. Du kannst stolz auf dich sein, weil das Gewicht beim Bikepacking ist nicht zu unterschätzen. Weiterhin viel Kraft!

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    1. Steffi Storz says:

      Oh ja das stimmt, ist so ein tolles Gefühl!
      Vielen lieben Dank 🙂

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