Igor – Fischer an der Adria, betroffen von der Algenplage?

Heute wird das Mittagessen selbst geangelt – Naja so zumindest der Plan!

Ich setzte mich hoch motiviert an den Hafen von Senj, packte meine Angelschnur aus und befestigte den Haken. Die übrigen Gnocchi vom Abendessen dienten mir als Köder. So sahs ich da und schaute auf die ruhige See. Immerwieder zog ich den Köder ein, kontrollierte ihn und schmiss ihn erneut weit raus aufs Meer.

Es schien als hätten die Fische heute nicht wirklich Appetit. Oder sie stehen nicht so sehr auf Gnocchi… Naja an meinen hoch professionellen Fisching-Skills kann es ja zumindest nicht liegen, dachte ich mir 🙂

Einfaches Angeln am Hafen – Senj

So starre ich gedankenverloren auf das Meer, genoss die Ruhe und den Moment indem nichts zu tun war. Da kam in kleines Fischerboot angefahren und stoppte genau vor meinen Füßen. Ich half dem kroatischen Fischer beim Anlegen und befestigte seine Seile. Er schaute auf meine spartanische Angelausrüstung, lächelte mich an, leerte einen Eimer mit ein paar Fischen auf dem Frontdeck seines Bootes aus und sagte zu mir ,,Nicht gut. No No. No Fisch”.

Na also, dann scheint es ja wirklich nicht an mir zu liegen, dachte ich mir. Nun interessierte mich aber warum selbst er, ein erfahrener einheimischer Fischer, so ein schlechten Fang hatte. Hatte er heute vielleicht ebenfalls nur einen schlechter Tag? Oder leider die Fischer hier in Kroatien auch schon an der Überfischung und an dem Verschwinden der einheimischen Fischarten? Könnte die Algenplage in der Adira, von der man in den letzten Jahren einiges in den deutschen Nachrichten hörte, was damit zu tun haben? Fragen über Fragen kamen in mir hoch.

Igor und sein Fang

Ich kam mit ihm langsam ins Gespräch. Wir unterhielten uns mit in einer ausgefallenen englisch-deutschen Sprache und ergänzten diese mit dem Einsatz von Händen und Füßen.

Er erzählte mir, dass er seit mit seiner Frau in einem kleinen Haus in Senj wohnt. Er ist hier groß geworden und liebt das Meer. Sein Opa hat ihn als kleinen Junge immer mit auf die See genommen und ihm die besten Angelplätze gezeigt. Mitte 20 hat es ihn raus in die große Stadt gezogen. Er hat einen gutbezahlten Job in einer Fabrik bei Zagreb bekommen und lebte dort 15 Jahre. Er hatte Geld und einen sicheren Job, doch glücklich war er nicht! Er sehnte sich sehr nach seiner Heimat und dem Meer. So schmiss er waagemutig seinen Job in Zagreb hin und zog mit seiner Frau zurück nach Senj.

Hier kauften die beiden sich von ihrem ersparten ein kleines Haus am Rand der Stadt. Über die Sommermonate vermieten Zimmer an Urlaubsgäste und bieten Fischgerichte in ihrem Restaurant im Haus an. Leicht war der Anfang nicht, doch mit der Zeit hatten sie sich an die Umstellung gewohnt und sich an das Kleinstadtleben angepasst. Sie genießen die Nähe zum Meer, weniger zu arbeiten und mehr Zeit für sich und die Familie zu haben.

Igor fährt jeden Morgen mit seinem einfachen Fischerboot auf das Meer. Eine große Angelausrüstung besitzt er nicht. Er benutzt lediglich eine einfache Angel und ein Kescher. Von modernen Angelequipment halt er nicht viel. Sein Opa hat ihm das traditionelle Angeln beigebracht. Die Fische sauber und schnell aus dem Wasser ziehen und töten. Zu kleine Fische werden wieder in das Meer geworfen. ,, Klein Fisch gut andere Jahr” sagt er und lächelt.

Trotzdem versucht er so viel Fische wie möglich zu fangen. Je mehr Fische er fängt desto mehr Gerichte können sie am Abend in ihrem kleinen Restaurant verkaufen. Gerade jetzt in den Sommermonaten muss viel Geld angespart werden. Im Winter ist das Restaurant geschlossen, es kämen zu wenig Touristen, da lohnte sich der Aufwand nicht.

Ich schaute erneut auf seine heutige Ausbeute, das sah nicht gut aus… Es tat mir sehr leid! Ich hatte zwar auch nichts gefangen, doch bei mir ging es lediglich um ein kostenloses selbstgefangenes Abendessen, bei ihm ging s da schon um mehr!

Doch war diese wenige Ausbeute die Regel? Und an was könnte es liegen?

Igor erzählte, dass er normalerweise mehr Fische fängt. Heute war einfach nicht sein Tag. Dafür wird es nächstes Mal besser, meinte er. Dieses Jahr hatten er im allgemeinen großes Glück mit dem Fischfang. Die Zimmer im Haus sind auch ausgebucht. Es sieht nach einem guten Jahr für ihn und seine Frau aus.

Ich war erleichtert, doch was war jetzt nun mit dieser Algenplage in der Adria? Die deutschen Medien sprachen von ein paar Jahren doch ununterbrochen davon. Das muss doch sicherlich auch Auswirkungen auf das Wohlergehen von Igor und seiner Frau gehabt haben?

Algenplage? Igor schaute mich verwundert an…. ,,No. No Algen here! Only ein bisschen”. Er nahm demonstrativ die Miesmuscheln auf seinem Boot in die Hand, riss ein paar Algen ab und streckte sie in meine Richtung. ,,Algen nicht schlimm, schnell wegmachen und kochen, dann gut!” Aber wie sah es denn vor ein paar Jahren hier aus? Vielleicht hatte sich das Meer inzwischen wieder beruhigt. Er schüttelte erneut den Kopf. ,,No, no immer gut”. Langsam kam ich mir etwas dumm vor, die deutsche übervorsichtige Touristin mit ihrer Panikmacherei…

Zumindest scheint es mir als hätte zumindest Igor die ganze Unruhe bezüglich der Algenplage nicht mitbekommen. Er selbst wirkte in sehr entspannt. Haben die Medien wieder übertrieben und unnötig Panik verbreitete? Oder ist wirklich etwas dran an dieser Algenplage und ich bin nur in einem verschonten Gebiet oder auf einen unwissenden Angler gestoßen?

Dese Fragen werde ich in den nächsten Tagen etwas genauer nach gehen! Ich bin ja nicht umsonst an die Adira gefahren 🙂

2 Comments Add yours

  1. Irek says:

    Witaj Steffi. Pozdrowienia od Irka z Polski. Spotkaliśmy się w hostelu w Klenovica. Ja bezpiecznie dojechałem do domu. Czytam twójego bloga. Jeśli chodzi o glony to w Adriatyku po stronie Chorwackiej ich brak. Nie ma dużych zlewisk rzek
    Po stronie Italii już tak . I tam jest problem. Użyj translatora. Trzymam kciuki.
    Hello Steffi. Greetings from Irek from Poland. We met at the hostel in Klenovica. Yes, I arrived safely home. I’m reading your blog. When it comes to algae, it is in the Adriatic on the Croatian side. There are no large river basins
    On the side of Italy, yes. And there is a problem. Use a translator. Fingers crossed

    Liked by 1 person

    1. Steffi Storz says:

      Oh thanks a lot for that information Irek! That makes a lot of sense, I didn’t found any person who had a problem with the algae here in Croatia so far!
      I hope that you had a nice trip back home to Poland and it was not to hot!
      Best wishes Steffi 🙂

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