Zadar – Zwischen Autounfall und Wundern der Natur

Tage 29 und 30: Altstadtmärkte, Schildkröten und Straßenverkehr

Wie auch in Klenovica fiel es mir schwer runter zu kommen. Es scheint als wäre mein Kopf auf ständiges Radfahren schon programmiert. Doch ich wollte meinem Körper hier vor dem Beginn des Praktikums etwas Ruhe gönnen. Zumindest war das der Plan. Doch in Zadar angekommen wollte ich alles erkunden. So ging ich am ersten Tag mit meiner Hostelzimmermitbewohnerin auf den Markt von Zadar. Er war in den gemütlichen Gassen der Altstadt gelegen. Wir spazierten in den Morgenstunden an Obst-, Gemüse- und Fischständen vorbei. Es war ein herrlicher Markt-Flair. Lavendelduft lag in der Luft, Marktschreier versuchten uns an ihren Stand zu locken und hier und da durfte man ein Stückchen Obst probieren. Es war köstlich, so kaufte ich mir für das Mittagessen ein großes Stück Wassermelone! Diese ohne ein Messer zu essen war dann doch eine große Herausforderung und eine noch größere Sauerei 🙂 Was macht man nicht alles wenn man hungrig ist!

Frische Wassermelone zum Mittag

Am zweiten Tag hatte ich das Bedürfnis endlich mal wieder raus aus der Stadt zu kommen und die umliegenden Natur zu erkunden. Mein Weg führte mich zunächst nach Nin und dann weiter querfeldein über die Halbinsel.

Raus aus der Stadt rein in die Natur – Zadar Richtung Nin

Sehr schnell war ich aus der Stadt draußen und bevorzugte es heute mit nur leichtem Gepäck auf abgelegenen Schotterstraßen in den Wäldern zu fahren. Es war endlich ruhig.

Biking Nature – Nin

Ich steige ab und schob mein Rad etwas, schaute mir in Ruhe die Bäumer und Sträucher an. Verträumt murmelte ich vor mir her… ,, Akazien…, oh was für schöne Eichen,… Disteln, eine Schildkröte…” Ich blieb stehen schaute nochmal genau hin. Erst dachte ich wieder an den ganzen Müll, der hier in der Natur liegt und nahm an es sei ein achtlos weggeworfene Plastikschildkröte. Ich blieb stehen, wartete und da sie bewegte sich. Ich freute mich unheimlich, das war die erste Landschildkröte die ich je in meinem Leben in Freiheit gesehen habe. So verweilte ich noch ein wenig bei ihr und beobachtete sie. Anschließend las ich im Hostel einiges über die hier heimische Dalmatinische Landschildkröte nach.

Dalmatinische Landschildkröte – Zadar

Die Dalmatinische Landschildkröte

Die Dalmatinische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri var. hercegovinensis) ist eine Population der Griechischen Landschildkröte und sehr verbreitet in den Regionen des ehemaligen Dalmatien,was ihren deutschen Namen begründet. Sie ist kleiner und leichter als ihre griechischen Verwandten und wird meist meist nur bis zu 20cm groß. Die Weibchen werden bis zu 1300 Gramm schwer wobei die Männchen lediglich in Gewicht von 800 Gramm erreichen können.
Sie verlassen am Morgen ihr Nachtlager, was meist ein Versteck im dichten Gebüsch ist. Tagsüber sind sie damit beschäftigt nach Nahrung in der mediterranen Natur zu suchen. Hierbei folgen sie nach ihrem Geruchssinn und finden für sie nahrhafte Blätter, Blüten und Früchte. Hierzu gehört Klee, Löwenzahn, Salat und mehrere Arten der Hülsenfrüchte/Leguminosen. Zu der heißen Mittagszeit verkriechen sie sich wieder in ihrem geschützten Versteck und gehen erst bei nachlassenden Temperaturen erneut auf Nahrungssuche.

Im späten Februar verlassen sie ihr Winterquartier um auf Partnersuche zu gehen. Während der Paarungszeit finden durchaus aggressive Krämpfe zwischen den konkurrierenden Männchen statt. Zwischen Mai und Juli legt das Weinchen der Dalmatinischen Landschildkröte zwischen zwei und zwölf Eier in die Erde ab. Für das Graben der Löcher für die Eiablage verhelfen ihr ihre mit Krallen versehen Füße. Die pink-weißen Eier verbleiben bis zu 90 Tage in der Erde. Die Temperatur in diesen 90 Tagen ist ausschlaggebend für das Geschlecht der werdenden Schildkröte. Herrschen Temperaturen um 26°C schlüpfen hauptsächlich Männchen, steigt die Temperatur auf die 30°C an dominiert die Anzahl der Weibchen. Na da sieht die Zukunft mit dem Klimawandel nicht wirklich gut aus für die Männchen…

Die Jungen schlüpfen mit Hilfe von starken Regen im August/September. Bleibt dieser Regen in August aus, oder fand die Eiablage zu spät im Jahr statt, verweilen die Eier bis in den Frühling im Boden. Die ersten paar Jahre verbringen die Jungen in der Nähe ihres Nests. Ist im Alter von 6 Jahren ihr Panser ausgehärtet verlassen sie die schützende Zone ihres Nests. Nun sind sie auf den Schutz ihres Pansers angewiesen, der sie vor ihren Feinden (Ratten, Füchsen, Wildschweinen, Dachse,…) schützt. Verglichen mit anderen Schildkröten werden die Dalmatinischen Landschildkröte mit bis zu 30 Jahren nicht sehr alt.

Ich fuhr weiter und genoss die Fahrt in den blanken Natur sehr! Endlich nur Mal ich und mein Bike. Keine Menschen, keine Autos und kein schweres Gepäck. So wie in alten Tagen beim Mountainbiken in den Wäldern von Freiburg.

Biking Nature bei Nin

Ich fühle mich so frei und flog nur so über die verlassenen Schotterstraßen hinweg. So wurde der eigentliche kurze Ausflug wieder zu einer längeren Biketour, gegen 15 Uhr kam ich wieder in Zadar an.

Müde und erschöpft fuhr ich die letzten Meter zum Hostel. Dann passierte es! Auf einmal kam ein Auto von rechts aus einer Einfahrt gefahren. Der Fahrer schaute überhaupt nicht nach links und fuhr ohne abzubremsen auf die Straße. Ich bremste so schnell ich konnte, quietschende Reifen, jetzt bemerkte mich auch der Autofahrer und bremste ebenfalls. Doch zu spät!mein Vorderrad knallte gegen das Auto, ich flog im hohen Bogen vom Rad!

Ich war schockiert! Was war gerade eben passiert. Ich schaute an mir herab, alles war noch heil, lediglich ein kleiner Kratzer. Voller Panik schaute ich mein Rad an. Es sah ebenfalls noch gut aus. ,,Uffff oh man! ” Der Fahrer Steg aus, sah mich schockiert an, redete irgendwas auf kroatisch zu mir. Ich zeigte ihm dass ich nichts vrstand, aber im sei. Ich stand unter Schock, fühlte mich okay aber hier sehr unwohl und wollte einfach nur hier weg und meine Ruhe.

So fuhr ich ein paar Meter zu dem nächsten Park, legte mich auf die Wiese und versuchte ersteinmal runter zu kommen.

Quellen:
J. Perälä: Biodiversity in relatively neglected taxa of Testudo L., 1758 s. l. In: B. Fertard, B. Culorier (Hrsg.): Actes du Congrès International sur le genre Testudo – 7 au 10 mars 2001. Chelonii. Bd. 3. SOPTOM, Gonfaron 2002, S. 40–53.
U. Fritz, M. Auer, A. Bertolero, A. Heylan, T. Fattizzo, A. K. Hundsdorfer, M. M. Sampayo, J. L. Pretus, P. Siroky. M. Wink: A rangewide phylogeography of Hermann’s tortoise, Testudo hermanni (Reptilia: Testudines: Testudinidae): implications for taxonomy. In: Zoologica scripta. 35, 5, 2006, S. 531–543.

Avise, John C.; Bowen, Brian W.; Lamb, Trip; Meylan, Anne B. & Bermingham, Eldredge (1992). “Mitochondrial DNA evolution at a turtle’s pace: evidence for low genetic variability and reduced microevolutionary rate in the Testudines”. Mol. Biol. Evol. 9 (3): 457-473. PDF fulltext.

De Lapparent de Broin, France; Bour, Roger; Parham, James F. & Perälä, Jarmo (2006). “Eurotestudo, a new genus for the species Testudo hermanni Gmelin, 1789 (Chelonii, Testudinidae)”. Les Comptes rendus de l’Académie des sciences 5 (6): 803-811. doi:10.1016/j.crpv.2006.03.002 PDF fulltext. (in English with French abstract).

Fritz, Uwe; Kiroký, Pavel; Kami, Hajigholi; Wink, Michael (2005). “Environmentally caused dwarfism or a valid species – Is Testudo weissingeri Bour, 1996 a distinct evolutionary lineage? New evidence from mitochondrial and nuclear genomic markers”. Mol. Phylogenet. Evol. 37 (2): 389–401. doi:10.1016/j.ympev.2005.03.007 PDF fulltext.

Fritz, Uwe; Auer, Markus; Bertolero, Albert; Cheylan, Marc; Fattizzo, Tiziano; Hundsdörfer, Anna K.; Sampayo, Marcos Martín; Pretus, Joan L.; Široký, Pavel; Wink, Michael (2006). “A rangewide phylogeography of Hermann’s tortoise, Testudo hermanni (Reptilia: Testudines: Testudinidae): implications for taxonomy”. Zool. Scripta 35 (5): 531-548. doi:10.1111/j.1463-6409.2006.00242.x PDF fulltext.

Van der Kuyl, Antoinette C.; Ballasina, Donato L. Ph.; Zorgdrager, Fokla (2005). “Mitochondrial haplotype diversity in the tortoise species Testudo graeca from North Africa and the Middle East”. BMC Evol. Biol. 5: 29. doi:10.1186/1471-2148-5-29 (HTML/PDF fulltext + supplementary material).

Henley, Jon (December 9, 2005). “Rare tortoise puts brakes on high-speed train link”. The Guardian. Retrieved 2008-07-22.

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2 Comments Add yours

  1. Hallo Steffi!
    Wie geht es dir heute nach deinem Sturz? Alles so weit ok?
    Ich habe am Montag auch einen Flug über den Lenker gemacht. Bin mit Kopf und Schulter zuerst aufgekommen. Zum Glück hatte ich einen Helm auf! So habe ich nur ein paar Schürfwunden und eine Platzwunde am Kinn. Ist lästig, aber das wird wieder.
    Liebe Grüße, Sibylle von miteigenenhaenden

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    1. Steffi Storz says:

      Hallo Sibylle, sehr lieb dass du fragst! Mir geht es ganz gut! Hatte richtig Glück und bin mit einem Kratzer davon gekommen! Oh das hört sich bei dir aber nach einem schlimmeren Sturz an! Da wünsche ich dir eine gute und schnelle Besserung! Erhol dich gut!
      Beste Grüße Steffi

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