Made it! Plitvička Laces National Park

Tag 33: Die Hamburger Motorrad Jungs!

Nach dem anstrengenden Anstieg in der Hitze gestern hatte mein Zelt auf dem Campingplatz Lika in dem kleinen Dorf Gracac aufgestellt. Gegen Abend kamen drei Motorradfahrer mit hamburger Kennzeichen auf den Platz gefahren. Da ich auf meiner Reise bis jetzt nur positive Erfahrungen mit Hamburern gemacht habe, entschloss ich kurzerhand mich etwas zu ihnen zu gesellen und der ständigen Einsamkeit auf meiner Reise wieder etwas entgegen zu wirken. Es war eine sehr gute Entscheidung, auch wenn es jedesmal aufs Neue Überwindung kostet wildfremde Leute einfach anzusprechen. ,, Wenn sie mich nicht mögen, dann geh ich einfach wieder” sagte ich zu mir. Doch es schien als würden die Jungs mich mögen und trugen zu meinen positiven Erfahrungen mit den Hamburgern bei :). Sie waren gerade auf einer Motorrad Reise und hatten bereits Deutschland, Tschechien, Slowakei, Ukraine, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Nordmazedonien, Albanien, Montenegro, Bosnien Herzegowina durchfahren. Nach Kroatien planten sie noch durch Slowenien und Österreich zu fahren. Leider war ich schon sehr müde und erschöpft von der Fahrt, so machte ich mich nach einem netten kleinen Gespräch auf ins Zelt. Immerhin wusste ich, dass sie morgen den selben Weg wie ich einschlagen würden, diese Information half mir am nächsten Tag noch sehr!

Sonnenuntergang am Abend in Gracac

Um 5 Uhr stand ich auf, packte zusammen und war gegen halb 6 startklar! Doch stand ich jetzt vor einem Problem, der Campingplatz war rundherum eingezäunt und die zwei Tore waren noch fest verschlossen – Ich kam nicht raus… Ich sah mich verzweifelt um… Verdammt! Ich hatte eine lange Strecke vor mir und wollte jetzt wirklich los! Der Gedanke daran nun Stunden zu warten bis der Besitzer auftaucht und die Tore öffnet machte mich rasend! Ich lief den Zaun ab, aber alles verschlossen… Mein Weg führte mich auf den Bolzplatz des Campingplatzes. Das Gras wucherte hier wild, hier hatte wohl schon lange keiner mehr Fussball gespielt. Der nasse Tau der Gräser drang in meine Schuhe. ,,Na toll, jetzt auch noch nasse Schuhe… Was ein Morgen!” Doch da am Ende vom Bolzplatz sah ich kein Zaun. Tatsächlich nur ein großer Felsen lag im Weg. Ich befreite mein Rad von den Taschen und trug mein Hab und Gut Stück für Stück über den Felsen. Geschafft! Endlich war ich frei und die Fahrt konnte weiter gehen! Ich hatte ein perfektes Timing und sah noch einen atemberaubenden Sonnenaufgang über der in Nebel versunken Bergkette! Glücklich und frei fuhr ich sorgenlos auf der noch so ruhigen Hauptstraße. Nach über 20km kam der Hunger, ich stoppte in Udbina und bereitete alles für mein Haferbreit zu! Ich wollte an der nahen Quelle Wasser holen, griff zu meinem Rad Schloss, doch der Griff ging und leere! ,, Das kann nicht sein” Ich hatte es immer an der selben Stelle. Es war ein einfacher Schutz vor mir selbst und meiner teilweisen abstrakten Packkunst. Wichtige Dinge hatten ihren festen Platz! Ich dachte nach und konnte mich nicht daran erinnern es nach der Abpackaktion am Morgen wieder an meinem Rad besfestigt zu haben. Es muss noch an dem Felsen liegen. Oh nein, 20km war ich schon gefahren, das würde heißen nochmal 20km zurück das macht zu den heutigen geplanten 110km 40km zusätzlich! Nein! Das mach ich wirklich nicht! Ich wollte heulen! Ein neues Schloss kaufen? Angesehen von dem finanziellen Aspekt würde das hier in der Gegend ziemlich schwer sein. Ich ar froh, wenn ich kleine Dorf-Läden für Lebensmittel fand.

Ein paar Minuten verzweifelten Nachdenkens vergingen. Geil! Die Motorrad Jungs, sie würden bald an mir vorbei rauschen. Gestern hatten sie noch erzählt wie gerne sie ausschlafen und so leider immer erst sehr spät ihre Tagestour starten. ,,Perfekt! Wir haben gerade Mal 9 Uhr, die liegen sicherlich noch in den Federn.” Da ich leider keine Kontaktdaten von ihnen hatte, schreib ich dem Campingplatz Besitzer und schilderte mein Problem und meine gedachte Lösung und setzte die Fahrt fort.

Die Zeit verging, Niemand meldete sich… Die Straße wurde zunehmend befahrener, die Autos rassten wie gestört an mir vorbei! Ein entgegenkommender LKW überholte ein langsam fahrendes Auto, er sah mich doch das war ihm scheinbar egal! Ich sah nur den LKW auf meiner Spur immer schneller auf mich zukommen! Und wusste nur eins, da war kein Platz für uns beide auf der Spur! Ich legte eine Vollbremsung hin, schmiss mich und mein Bike und den Seitengraben! Der entgegenkommende LKW rauschte auf meiner Spur vorbei! Ich war geschockt ,,Was für ein Idiot” dachte ich nur!

Ich war am Tiefpunkt meiner Laune, der Verkehr stresste mich extrem, ich hatte kein Rad Schloss mehr, ich hatte schrecklichen Muskelkater und hatte beim Frühstück endlich mein Bankkonto gecheckt was wirklich nicht rosig aussah… ach alles war schrecklich!

,,Ich werde den Trip nach dem Praktikum auf keinen Fall weiter machen!”

Doch dann klingelte mein Handy, der Besitzer hatte das Schloss auf der Wiese neben dem Fels gefunden und würde es den Motorrad Jungs mitgeben. Ich stahlte vor Glück! Eine Stunde später hatten die Jungs mich aufgeholt, zusammen machten wir eine kleine Pause unter ein paar Kiefern nahe der Straße. Sie übergaben mir das Rad Schloss und machten sich weiter auf die Reise an die Küste!

Die Hamburger Motorrad Jungs – Vielen lieben Dank Jungs für eure Hilfe! Habt mir den Tag gerettet!

Für mich ging es nicht mehr all zu weit. Ich hatte nur noch eine kleine Anstieg vor mir und war im Plitvice Lakes Nationalpark angekommen! Wow ich hatte mein mindestens Ziel geschafft!

Made it! Plitvička Laces Nationalpark

Was für ein Gefühl! Meine Stimmung war auf dem Höhepunkt! Zudem war die Straße hier sehr wenig befahren, ich fuhr glückselig durch den frischen Nationalpark Wald, genoss den Durft der Blumen, das zwitschern der Vögel und das Grün der Bäume!

Ausblick nach dem letzten kleinen Anstieg für heute – Plitvička Laces Nationalpark

,, Vielleicht werde ich ja doch noch etwas nach dem Praktikum weiter fahren! Finanziell bekomm ich das schon irgendwie hin!”

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3 Comments Add yours

  1. Hallo Steffi, deine Energie ist beindruckend. Da ich selbst aus Kroatien stamme und in Deutschland aufgewachsen bin, genieße ich deine Berichte sehr. Viel Spaß beim Praktikum, der Nationalpark und die Gegend drumrum sind besonders! Viele “mach weiter so Grüße”, Sandra

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    1. Steffi Storz says:

      Vielen lieben Dank 🙂 Das freut mich sehr! Oh ja ich genieße gerade schon die wundervolle Gegend drumherum! Einfach bezaubernd! Beste Grüße aus Vrhovine Steffi

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  2. Hallo Steffi, Glückwunsch zur Zielerreichung! Es ist eine Freude virtuell mit dir mitzuradeln. Du steckst voller Power. Ich bin Kroatin und in Deutschland aufgewachsen. Zu Istrien und den Plitvicer Jezera habe ich einen besonderen Bezug. Viel Freude also beim Praktikum! Wenn du kroatische Unterstützung brauchst gern. Viele Grüße, Sandra

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